abgesehen von von der ferne zum meer und den eher sibirischen temperaturen unterscheidet sich das krakauer nachtleben offenbar nicht sonderlich von dem der spanischen partymetropole. ich hab die stadt gestern erst zum zweiten mal erlebt und bin hinundweg. mal wieder. nicht bloß die cafés, die pubs, die kleinen Restaurants, auch die Architektur, dieses echo einer von glorreichen zeiten alten metropole versprühen einen herben charme.
viele kleine seitengassen abseits von touristischen ballungszentren schreien geradezu danach, erkundet zu werden, ob sie nun ein bis ins detail verspieltes lokal oder auch nur einen verfallenen hinterhof verbergen, scheint dann nebensächlich.
damit jedoch nicht genug, auch die jugend krakaus hebt sich erfrischend von der ländlichen ab, wo noch postkommunistischer einheitshaarschnitt und pseudowestlicher volkspop regieren. krakau, das hierzulande als jugendkulturelle hauptstadt gilt, bietet dem neugierigen an jeder ecke in form von plakaten, stickers oder tags hinweise auf subkultur, auf ein fast verwunderlich aufgeschlossenes leben hier.
kazimierz hat, ganz abseits von seiner geschichte als jüdisches viertel, auch heute noch einiges zu bieten. heir konzentrieren sich lokale an lokale, in ihrer aufmachung und musikauswahl einander kaum vergleichbar. ob jetzt das “alchemia”, dessen interieur an dr. fausts obskures studienzimmer errinert, oder das “propaganda”, in dem man, umgeben von allerlei sowjetischen gerümpel, zu russischem punk genüsslich seinen “stalin” schlürfen kann… altbauten in deren hohen wohnungen nun electronic bars beherbergen, sind hier genauso zu finden wie das “dergamin”, das mit lounge musik das perfekte ambiente für den letzten drink vor dem heimweg einlädt.
all diese flüchtigen, kleinen impressionen ergeben als summe der einzelnen teile das bild einer stadt, wie ich sie nie hier erwartet hätte.